Winterreifenpflicht führt nicht zur günstigeren Kfz-Versicherung

Winterreifen sorgen bei Schnee und Eis sicherlich für mehr Grip und damit auch für mehr Sicherheit. Ob die richtigen Schluffen an den Autos aber auch die Zahl der witterungsbedingten Unfälle reduzieren, daran haben die Kfz-Versicherer ihre Zweifel. Sie gehen jedenfalls nicht davon aus, aufgrund der vom Bundesrat beschlossenen und nunmehr in der Straßenverkehrsordnung verankerten Winterreifenpflicht weniger Schäden regulieren zu müssen. Daher sehen sie auch keine Veranlassung, die Beiträge für die Autoversicherung anzupassen.

Einer der Gründe, weshalb die Prämien nicht angerührt werden, ist schlichtweg, dass die meisten Deutschen ohnehin schon mit den richtigen Reifen unterwegs sind. Das Vergleichsportal Financescout24 wollte es genauer wissen. Die Umfrage ergab, dass rund 90 Prozent der Bundesbürger ihrem Fahrzeug passend zur kalten Jahreszeit einen Satz Winterreifen gönnen. Für sie bietet die Neuregelung jetzt nicht mehr und auch nicht weniger als eine gewisse Rechtssicherheit. Daher verwundert es auch nicht, dass über 30 Prozent die höheren Bußgelder für in Ordnung halten.

Vermisst wird lediglich ein fest umrissenes Zeitfenster, wann genau die für Eis, Matsch und Schnee geeigneten Reifen aufgezogen werden müssen. In der aktuellen Fassung greift die Pflicht bei „winterlichen Verhältnissen“ – ein Begriff, der sich durchaus dehnen lässt. Keine Zweifel lässt die Verordnung daran, welche Bereifung gewählt werden muss: Winter-, Allwetter- sowie M+S-Reifen. Wer der Polizei ohne diese Pneus über den Weg fährt, muss jetzt 40 statt 20 Euro berappen. Sollten die „falschen“ Reifen darüber hinaus den Straßenverkehr gefährden, sind 80 Euro fällig und gibt es einen Punkt in Flensburg.

Entscheidungshilfe – Kfz-Versicherungsvergleich und Tarifübersicht der Stiftung Warentest

Institutionen wie die Stiftung Warentest kommen im Herbst nicht umhin, auch einen Blick auf das Geschehen rund um die Kfz-Versicherung zu werfen. Das hat Tradition und mündet bei den Warentestern Jahr für Jahr in einem ausführlichen Versicherungsvergleich. Doch wie gehen sie dabei vor und welche Rückschlüsse können Wechselwillige aus den Ergebnissen ziehen?

Der große Kfz-Versicherungsvergleich der Stiftung Warentest fährt traditionell zweigleisig. Einerseits erarbeiten die Experten Modellfälle und berechnen entsprechend der Vorgaben die Beiträge für ihre Musterkunden. Daraus resultiert eine Art Top-10 der günstigsten Anbieter, ergänzt um den jeweils teuersten Vertrag. Andererseits werden auch die Tarife an sich beurteilt, ohne Rücksicht auf individuelle Merkmale wie das Alter des Fahrers, die Schadensfreiheitsklasse oder den Wohnort. Hier geht es eher um das Beitragsniveau, die Voraussetzungen für den Vertragsabschluss und letztlich die Tarifmerkmale.

Den größten Raum nehmen die Musterrechnungen ein. Sie reichen vom jungen Fahrer mit 19 Jahren über den Vater mit Kind, die junge Familie, den Vielfahrer, eine Alleinfahrerin bis hin zur umweltbewussten Fahrerin. Dass in diesem Jahr auch das Thema Umwelt von Relevanz ist, kommt nicht von ungefähr. Immerhin 41 Tarife mit Öko-Rabatt haben die Tester gefunden. Ein merklicher Trend lässt sich daraus zwar noch nicht ableiten. Doch die Kfz-Versicherer wagen sich langsam aber sich an das Thema und belohnen den Kauf von Fahrzeugen mit niedrigem CO2-Ausstoß. Für den aktuellen Vergleich wurde eine 34-jährige Bahncard-Besitzerin mit einem Toyota Prius Hybrid 1,5 als Modellfahrerin gewählt.

Um den Kfz-Versicherungsvergleich der Stiftung Warentest für sich nutzen zu können, muss der Musterfall herausgepickt, der am ehesten den eigenen Eckdaten entspricht. Damit verschafft man sich allerdings nur einen ersten Überblick. Denn die Autoversicherung basiert nach wie vor auf individuellen Merkmalen. Das heißt: Ohne eigenen Versicherungsvergleich bzw. eigene Berechnungen wird man keine zuverlässigen Zahlen erhalten. Dabei hilft auch die Tarifübersicht nicht. Dafür liefert sie aber wertvolle Informationen zu den einzelnen Vertragsangeboten und den Details und kann damit zumindest als Entscheidungshilfe dienen, welche Gesellschaft überhaupt infrage kommt oder wie sich der Wunschtarif aus Sicht der Tester darstellt.

Familien fahren bei der Zurich günstiger

Die Zurich Kfz-Versicherung wartet gemeinsam mit der ADAC Autoversicherung AG mit einem speziellen Angebot für Familien und Lebensgemeinschaften auf. Werden sämtliche Fahrzeuge über die Zurich versichert, lockt ein satter Rabatt. Das gilt für Eltern und Kinder, Patchworkfamilien und gleichgeschlechtliche Partnerschaften. Das Schlagwort lautet „Familien Flotte“ und greift auch bei Kindern, die aufgrund von Studium oder Ausbildung nicht mehr zu Hause wohnen. Berücksichtigt werden dabei alle motorisierten Fahrzeuge, vom Auto über das Motorrad bis hin zum Wohnwagen.

Der Nachlass auf die Kfz-Versicherung richtet sich danach, wie viele Verträge abgeschlossen werden. Denn wie gehabt wird für jedes Fahrzeug ein eigener Versicherungsvertrag mit individuellem Schadenfreiheitsrabatt aufgesetzt und erhält jeder Kunde seine eigene, persönliche Rechnung. Möglich sind bis zu zwölf Prozent Rabatt. Bei Autos mit „zukunftsorientierten umweltfreundlichen Antrieben wie zum Beispiel Gas-, Elektro- oder Hybridfahrzeugen“ winkt zusätzlich ein Sondernachlass von zehn Prozent.

Ein weiterer Vorteil: „Neuangemeldete Fahrzeuge wie Zweitwagen oder Autos von Führerscheinneulingen bekommen eine Sondereinstufung“, heißt es in der Pressemitteilung der Zurich Kfz-Versicherung. Der Schadenfreiheitsrabatt orientiert sich auch in dem Fall an der Zahl der versicherten Fahrzeuge. Jedes Auto, das neu hinzukommt, wird mindestens in die SF 2 eingestuft, damit bei 85 Prozent. Deutlich sparen können auch Fahranfänger. Statt mit 240 Prozent in Klasse 0 beginnen sie ebenfalls mit günstigen 85 Prozent in der SF 2. Sollte sich der Nachwuchs bis zum 23. Lebensjahr kein eigenes Auto kaufen, sondern das Fahrzeug der Eltern nutzen, verzichten die ADAC-Autoversicherung und die Zurich auf den sonst marktüblichen Zuschlag.

Ständig falsch geparkt: Vorerst mal “Dauerparker”!

Wer nicht hören will, muss fühlen, sagt der Volksmund und wer über 300 mal in drei Jahren sein Auto falsch parkt, dem kann die Fahrerlaubnis entzogen werden. Dies hat jetzt das Verwaltungsgerichts Berlin entschieden (Az. VG 11 A 247.07).

Wie berichtet wird, hatten die Richter in der Hauptstadt schon in der Vergangenheit dem zweifelsfreien Entzug der Fahrerlaubnis zugestimmt, wo es um bislang “nur” 30 bis 40 Parkverstöße ging. Die allerdings innerhalb einer kürzeren Zeit. Bei 300 Verstößen in drei Jahren argumentierte die notorische Falschparkerin gegenüber dem Landesamt für Bürger- und Ordnungsfragen zunächst noch damit, sie sei mangels Kleingeld und ohne dies vor Ort irgendwo wechseln zu können “gezwungen” gewesen, ihre Fahrzeuge in den bewirtschafteten Zonen ohne Münzeinwurf parken zu müssen. Die Beweisaufnahme wurde zweifelhaft, weil sie zunächst auch noch behauptete, sie habe die Verstöße gar nicht begangen. Die Glaubwürdigkeit war dahin …

So wurde geurteilt: Auch eigentlich geringfügige Ordnungswidrigkeiten wie Parkverstöße können generelle Zweifel an einer Fahreignung begründen. Uneinsichtige Wiederholungstäter seien offenkundig nicht bereit, die Verkehrsordnung zu akzeptieren. Wer dann auch noch nach Aufforderung des Ordnungsamtes ein medizinisch-psychologisches Gutachten verweigert, der verliert den Führerschein zu recht, wie das Berliner Gericht befand.

Österreicher sparen bei der Kfz-Versicherung

Österreichische Kunden schauen bei der Kfz-Versicherung zuerst auf den Preis. Er steht mit 86 Prozent ganz vorne auf der Liste der Kriterien, anhand derer die Autoversicherung gewählt wird. Damit unterscheidet sich das Abschlussverhalten in der Alpenrepublik nur unwesentlich von dem in Deutschland. Das gilt auch für die weiteren Faktoren: unkomplizierte Schadensbearbeitung (78 Prozent), niedriger Selbstbehalt bei der Kaskoversicherung (47 Prozent) und das Produkt an sich (35 Prozent). Wie es um das Image des Kfz-Versicherers bestellt ist, kümmert hingegen nur 25 Prozent der Österreicher.

Diese Zahlen präsentierte jetzt die VAV Versicherungs-Aktiengesellschaft. Sie hat eine Studie zum Konsumentenverhalten bei der Kfz-Versicherung in Auftrag gegeben. Vornehmlich um sich ein Bild davon zu machen, welche Bedürfnisse die Kunden letztlich haben. Aktuell zeichnet sich eine Sparneigung ab, die einhergeht mit dem Wunsch nach einer differenzierten Tariflandschaft. Gespart wird vor allem bei der Kaskoversicherung. „Der Anteil derer, die eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen haben, ist in den letzten beiden Jahren signifikant zurückgegangen“, erklärte der Generaldirektor der VAV, Dr. Norbert Griesmayr. Waren es 2008 noch 26 Prozent, haben in diesem Jahr nur 16 Prozent einen Vollkaskoschutz. Die Zahl derer, die nur eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen, schnellte von 54 auf 63 Prozent nach oben.

Das Internet spielt für die Autoversicherung nur bedingt eine Rolle. Zwar verfügen in Österreich mehr als 70 Prozent der Verbraucher über einen Zugang zum World Wide Web. Allerdings informieren sich lediglich 24 Prozent von ihnen auch online über die Themen Kfz-Haftpflicht und Kaskoversicherung. Die Vorteile, die das Internet beim Einkauf bietet, greifen aus Sicht der Kunden bei Kfz-Policen (noch) nicht. Die Portale der Versicherer dienen den meisten vorerst nur als Informationsquelle, nicht aber als Vertriebsweg. Denn, so Dr. Griesmayr: „Das Internet ersetzt für die Kunden nicht das persönliche Gespräch mit ihrem Berater.“ Das belegen auch jährlich 50.000 Zugriffe auf die Maklersuche bei der VAV.

Dieben das Leben nicht zu leicht machen

Das Auto nicht abschließen, Handy und Navigationsgerät in den Halterungen und das Notebook gut sichtbar auf dem Beifahrersitz liegen lassen. Warum nicht gleich einen Hinweis an die Scheiben pappen: Hier gibt es was zu holen! Klingt übertrieben? Wenn man sich die Zahlen des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV) in Österreich ansieht, nicht. Die Kriminalstatistik der Alpenrepublik weist immerhin 2.800 Diebstähle aus unverschlossenen Fahrzeugen auf. Hinzu kommen 25.000 Kfz-Einbrüche. Viel Arbeit für die Autoversicherungen. Allerdings lehnen sie jede Leistung ab, wenn der Halter sich nicht einmal die Mühe macht, den Schlüssel zu zücken und zu kontrollieren, dass die Türen tatsächlich verschlossen sind.

Da sich versierte Diebe auch von verschlossenen Fahrzeugen nicht abschrecken lassen und in der Regel nur wenige Sekunden benötigen, ein Auto aufzubrechen, gilt es, Begehrlichkeiten gar nicht erst zu wecken. Das ist meistens dann der Fall, wenn das Fahrzeug einer Auslage für Elektronikartikel gleicht. Ob Notebook, Smartphone oder Navi – sie sollten zumindest nicht sichtbar im Auto liegen. Das gilt auch für Handtaschen, Geldbörsen oder andere Wertgegenstände. Selbst die Halterung für das Navigationsgerät sollte von der Scheibe entfernt werden, wenn man das Auto verlässt. Das ist nicht viel Aufwand.

Das KfV rät, alles mitzunehmen. „Es nützt wenig, wenn die Geräte im Handschuhfach verstaut werden: Dort suchen die Täter als erstes“, weiß Anton Dunzendorfer, Leiter des Bereichs Forschung im Kuratorium für Verkehrssicherheit. Der größte Fehler, den die Kaskoversicherung mit Leistungsverweigerung bestraft, ist und bleibt aber, das Auto nicht abzuschließen. Das passiert teilweise auch unbewusst. Wenn die Batterien im Schlüssel zu schwach sind oder man den falschen Knopf erwischt, piept und blinkt das Auto zwar, die Türen bleiben aber unverschlossen. „Trotz optischer und akustischer Signale, die moderne Fahrzeuge beim Einrasten der Zentralverriegelung aussenden, ist der Griff zur Türschnalle immer noch das beste Mittel, um zu kontrollieren, ob die Türen auch tatsächlich versperrt sind“, empfiehlt das KfV – auch den Fahrern in der Bundesrepublik.

Senioren am Steuer: Gefahr mit Opa im Auto?!

Kommt die Pflicht, die Fahrtüchtigkeit Älterer zu prüfen?

rbw. Jugendliche Raser sind out! Jetzt steht das Fahrverhalten der Senioren im Focus. Waren bis vor kurzem noch jugendliche Fahranfänger mit hohem Unfallrisiko der Stein des Anstoßes und die Sorge der Versicherer, sind es jetzt die ‘alten’ Deutschen als neue Problemgruppe. Stichwort: Senioren am Steuer.

Die Altersgruppe 65+ war 2006 mit Unfällen samt Personenschaden mit derselben Zahl in Unfälle verwickelt wie Fahranfänger. Damit hat sich der Senioren-Anteil seit 1991 mehr als verdoppelt. In der Statistik tauchen immer mehr Senioren als Verursacher von Personenschäden im Straßenverkehr auf: seit 1991 eine Steigerung von über 70 Prozent.

Nicht, dass Senioren seither riskanter fahren, viel eher sind sie als Kraftfahrer einfach nur älter und ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit hat abgenommen. Eine Tatsache, die dann aber nicht dazu passt, dass der Führerschein lebenslang gilt. Denn in drei von vier Fällen mit Personenschaden und mit über 75-Jährigen haben diese den Unfall selbst verursacht.

Freiwillige Untersuchungen

Wenn in Zukunft noch mehr Senioren auf deutschen Straßen unterwegs sein werden, liegt die Forderung nahe, ältere Verkehrsteilnehmer im Rahmen von medizinischen Vorsorgeuntersuchungen auf ihre Fahrtüchtigkeit zu untersuchen – auf freiwilliger Basis. Denn heute sind Fahrten bis Italien oder runter nach Spanien fast selbstverständlich – unabhängig davon, wie belastbar Herz und Kreislauf sind.

Um die Belastbarkeit zu testen, sind bei TÜV oder ADAC Fahrsicherheitstrainings für Senioren im Angebot. Ziel ist es, den Teilnehmern zu vermitteln, wie eingeschränkt sie im Alter im Straßenverkehr sind, wie dies persönlich einzuschätzen ist und wie sie lernen, ihr Fahrverhalten zu verbessern.
Das Training beginnt mit Sitz besser einstellen, richtig am Steuer zu sitzen und im Slalom-Parcours das Können zu verbessern. Es sind Hindernisse zu umfahren, enge Kurven und scharfes Bremsen sind zu meistern. Herausforderung zum Schluss: das ausbrechende Fahrzeug abfangen und stabilisieren.

Leben heute in Deutschland rund 16 Millionen Menschen, die älter als 65 Jahre sind, werden es 2030 geschätzte 22 Millionen sein. Folglich auch mehr, deren Führerschein auch im hohen Alter noch gelten wird. Und nichts ist Senioren lieber als Mobilität. Doch das Risiko, das von Senioren am Steuer ausgeht, erhöht sich. Ein Faktum, das ältere Kraftfahrer nicht gerne hören, denn sie fühlen sich schnell angegriffen. Und weil die Alten auch Wähle sind, hat die Politik bislang eher abwiegelt, wenn es um verpflichtende Tests auf Fahrtüchtigkeit geht. Ganz abgesehen vom Führerschein auf Probe ab 65 oder 70 oder überhaupt für zwei Jahren für Ältere ab 60.

Das gesamte Verkehrswesen bleibt also angewiesen auf einsichtige Senioren, die den Führerschein abgeben, wenn es nicht mehr geht, oder die das Fahren ständig üben – fast wie damals in der Fahrschule. Manche Landkreise bieten ein Jahres-Ticket für den ÖPNV, wenn Opa seinen Führerschein abgibt – ob der das aber macht….?!

Geht der Preiskampf in der Kfz-Versicherung weiter?

In den vergangenen Wochen haben viele Unternehmen angekündigt, die Prämien für neue Kfz-Versicherungen anzuheben. Von bis zu 15 Prozent war die Rede. Damit ist das Duell der Giganten aber noch nicht beendet. Denn die HUK-Coburg, inzwischen Nummer eins und vom Handelsblatt als „Schrittmacher der Branche“ bezeichnet, wird die Beiträge stabil halten. Klaus-Jürgen Heitmann, Vorstand der HUK sagt ohne Umschweife: „Der Preiskampf geht weiter, obwohl die Branche insgesamt Verluste schreibt.“

Grund sei der Verdrängungsmarkt, auf dem alles nur noch über den Preis laufe. Andere Kriterien seien bei der Autoversicherung inzwischen nachrangig. Für die Konkurrenz, insbesondere die Allianz, die ihre Marktführerschaft verloren hat, brechen damit schwere Zeiten an. Denn sie kämpft mit deutlich höheren Kosten als die HUK-Coburg und muss die Verluste senken. Das geht zum Teil nur mit höheren Prämien. Branchenweit betrug das Minus im vergangenen Jahr rund 700 Millionen Euro. Schäden und Kosten lagen also deutlich über den Prämieneinnahmen.

Für die Kunden hat Klaus-Jürgen Heitmann eine durchaus positive Nachricht: „Der Preistrend am Markt zeigt nicht nach oben, nur weil die Tarife im Frühjahr gestiegen sind.“ Von einem flächendeckenden Erholungssignal oder Entspannung könne noch keine Rede sein. Nach wie vor gehörten Rabatte zur Tagesordnung. Man müsse abwarten, wie sich die Preise entwickeln. Die HUK-Coburg werde dabei ganz sicher nicht den Vorreiter spielen. Sie profitiere von Kostenvorteilen und einem sehr guten Schadenmanagement.

Auch die übrigen Kfz-Versicherer üben sich in Zurückhaltung. Lediglich die Axa spricht angesichts des Anstiegs des Prämienniveaus um 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr von einer möglichen Trendwende. Die Mehrheit der Branche rechnet hingegen damit, dass das „Hauen und Stechen“ noch schlimmer werde, zumal 2010 voraussichtlich eine Millionen Neufahrzeuge weniger angemeldet werden. Ein Ausgleich sei nur über andere Sparten möglich, so Werner Rupp von der Nürnberger Versicherungsgruppe. Sie wird, wie auch Generali und Zurich, eher vorsichtig agieren und die Rabattschlacht nicht um jeden Preis mitmachen. „Hoffentlich kehrt auch im Markt wirtschaftliche Vernunft ein“, hofft Eduard Thometzek, Chef der deutschen Zurich.

Die Kfz-Versicherer haben das Wechselpotenzial nicht genutzt

Trotz Preiskampf und niedriger Prämien haben es die Kfz-Versicherer 2009 nicht geschafft, mehr Kunden zu einem Wechsel zu bewegen. Suchten sich 2008 noch 2,4 Millionen Versicherte einen neuen Anbieter, waren es im vergangenen Jahr nur 1,7 Millionen. Damit wurde das Potenzial an wechselbereiten Kunden, immerhin 2,2 Millionen, nur ansatzweise ausgeschöpft. Das geht aus der Studie „Wechseltätigkeit in der Kfz-Versicherung“ des Marktforschungs- und Beratungsinstitutes YouGovPsychonomics hervor.

Die Daten für die Untersuchung stammen aus dem Zeitraum November und Dezember 2009. Befragt wurden über 1.000 Versicherungskunden ab 18 Jahren. Dabei ging es zum einen um die Wechselbereitschaft, zum anderen um den Abschluss einer Kfz-Versicherung über das Internet und welche Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen einen Online-Tarif den Ausschlag geben.

Auffallend ist, dass selbst die generelle Bereitschaft, die Autoversicherung zu wechseln, nachgelassen hat: Von 8,4 (2009) auf 6,1 Millionen, von denen letztlich 4,4 Millionen – also gut drei Viertel – den Gedanken an einen Wechsel schließlich doch ad acta gelegt haben. Dabei machten Kunden von Geschäftsstellenversicherern mit 79 Prozent öfter einen Rückzieher als die von Außendienst- und Direktversicherern (70 Prozent).

Studienleiter Christoph Müller macht den Kfz-Versicherern trotz der aktuellen Zahlen Mut: „Ungeachtet der aktuell rückläufigen Wechseltätigkeit wird die Kfz-Sparte auch zukünftig ein heiß umkämpftes Geschäftsfeld in der Assekuranz bleiben.“ Um Erfolg zu haben und neue Kunden zu gewinnen, müssten allerdings die Gründe für und gegen einen Wechsel genauer betrachtet und auf die Vertriebsstrategie übertragen werden.

Gerade beim Vertriebsweg Internet gebe es noch viel Nachholbedarf. Statt sich besser informiert zu fühlen, werde häufig das Gegenteil erreicht und der Kunde verunsichert, weil immer neue Fragen auftreten. Hinzu kämen Zweifel, ob eine günstige Prämie nicht gleichbedeutend mit weniger Qualität und Kompetenz im Schadensfall ist. Bei Maklern und Vertretern, mit denen man persönlich spreche, bestünde zudem die Hoffnung, einen höheren Rabatt zu erhalten. Diese Probleme, die viele Kunden von einem Wechsel abhalten, müssten in Angriff genommen werden, mit Fokus auf mehr Nutzerfreundlichkeit.

Bei Probefahren auf Nummer sicher gehen

Ein Auto, mit dem gefahren wird, sollte nicht nur versichert sein, es muss Versicherungsschutz bestehen. Das gilt auch für Probefahren. Von daher ist eine Testfahrt nur dann ratsam, wenn das entsprechende Fahrzeug auch zugelassen ist. Dann greifen die Kfz-Haftpflichtversicherung und gegebenenfalls auch der Kaskoschutz, falls der potenzielle Käufer einen Unfall baut. Um diesen Schutzschirm aufzuspannen, reicht bereits eine Kurzzulassung mit rotem Nummernschild.

Selbstverständlich steht es Käufer und Verkäufer frei, eigene Vereinbarungen zur Schadensregulierung zu treffen, insbesondere für den Fall, dass die Kaskoversicherung nicht zahlt. Mündliche Absprachen haben dabei kaum Gewicht und lassen sich später auch nur schwer nachweisen. Auf Nummer sicher geht man nur mit einer Niederschrift, die von beiden Seiten unterschrieben wird und Punkt für Punkt klärt, wie im Schadensfall verfahren wird.

Damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, ob mit oder ohne schriftliche Vereinbarung, sollte der Verkäufer sich grundsätzlich den Führerschein des Interessenten zeigen lassen. Dass die Papiere gültig sein müssen, versteht sich von selbst. Würde der Fahrzeughalter jemanden ohne gültige Fahrerlaubnis eine Runde mit dem Auto drehen lassen, droht der Verlust des Versicherungsschutzes der Kaskoversicherung und kann die Kfz-Haftpflichtversicherung bis zu 5.000 Euro Regress fordern.

Wenn schon die Papiere gezeigt werden, raten Experten dazu, den Ausweis des Käufers für die Zeit der Probefahrt als Pfand zu nehmen. Kommt der Interessent nicht zurück, kennt man zumindest die Identität des Täters und kann Anzeige erstatten. Nicht unbedingt sicherer, aber auch eine Möglichkeit, den Diebstahl des Autos während der Testfahrt zu verhindern, ist, auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen.