Trotz Preiskampf und niedriger Prämien haben es die Kfz-Versicherer 2009 nicht geschafft, mehr Kunden zu einem Wechsel zu bewegen. Suchten sich 2008 noch 2,4 Millionen Versicherte einen neuen Anbieter, waren es im vergangenen Jahr nur 1,7 Millionen. Damit wurde das Potenzial an wechselbereiten Kunden, immerhin 2,2 Millionen, nur ansatzweise ausgeschöpft. Das geht aus der Studie „Wechseltätigkeit in der Kfz-Versicherung“ des Marktforschungs- und Beratungsinstitutes YouGovPsychonomics hervor.
Die Daten für die Untersuchung stammen aus dem Zeitraum November und Dezember 2009. Befragt wurden über 1.000 Versicherungskunden ab 18 Jahren. Dabei ging es zum einen um die Wechselbereitschaft, zum anderen um den Abschluss einer Kfz-Versicherung über das Internet und welche Faktoren bei der Entscheidung für oder gegen einen Online-Tarif den Ausschlag geben.
Auffallend ist, dass selbst die generelle Bereitschaft, die Autoversicherung zu wechseln, nachgelassen hat: Von 8,4 (2009) auf 6,1 Millionen, von denen letztlich 4,4 Millionen – also gut drei Viertel – den Gedanken an einen Wechsel schließlich doch ad acta gelegt haben. Dabei machten Kunden von Geschäftsstellenversicherern mit 79 Prozent öfter einen Rückzieher als die von Außendienst- und Direktversicherern (70 Prozent).
Studienleiter Christoph Müller macht den Kfz-Versicherern trotz der aktuellen Zahlen Mut: „Ungeachtet der aktuell rückläufigen Wechseltätigkeit wird die Kfz-Sparte auch zukünftig ein heiß umkämpftes Geschäftsfeld in der Assekuranz bleiben.“ Um Erfolg zu haben und neue Kunden zu gewinnen, müssten allerdings die Gründe für und gegen einen Wechsel genauer betrachtet und auf die Vertriebsstrategie übertragen werden.
Gerade beim Vertriebsweg Internet gebe es noch viel Nachholbedarf. Statt sich besser informiert zu fühlen, werde häufig das Gegenteil erreicht und der Kunde verunsichert, weil immer neue Fragen auftreten. Hinzu kämen Zweifel, ob eine günstige Prämie nicht gleichbedeutend mit weniger Qualität und Kompetenz im Schadensfall ist. Bei Maklern und Vertretern, mit denen man persönlich spreche, bestünde zudem die Hoffnung, einen höheren Rabatt zu erhalten. Diese Probleme, die viele Kunden von einem Wechsel abhalten, müssten in Angriff genommen werden, mit Fokus auf mehr Nutzerfreundlichkeit.